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Mobbing passiert täglich und geht uns alle an!

4. Mai 2020

Jeder kann davon betroffen werden. Falls wir nicht das Opfer, bewusst oder unbewusst zum Täter werden, so werden wir früher oder später mit einer solchen Situation konfrontiert. Das Thema wird bei uns häufig in den Mattengesprächen behandelt und wir möchten euch nun einen Überblick mit den wichtigsten Informationen zum Thema Mobbing geben und wie man in solchen Fällen am besten reagiert. Im Ernstfall wende dich bitte direkt an Sozialarbeitern und Therapeuten.

Was ist Mobbing?

Das Wort Mobbing enthält das englische Wort „Mob“ für die Masse. Das meint die Masse oder eine Menge an Menschen, die über einen einzelnen Menschen herfallen. Dieser Mensch wird zum Opfer und von den anderen ausgeschlossen und physisch, wie psychisch schikaniert. Mobbing richtig sich gegen die Person, gegen die Persönlichkeit und ist nicht sachlich begründet. Die Täter agieren meistens in einer Gruppe, entweder persönlich oder in sozialen Netzwerken unter einem Tarnnamen bzw. Nick. Egal welchen Alters, jeder kann betroffen werden. Mobbing führt zu Suizid. Nach Recherchen im Internet sind wir in Deutschland auf eine Selbsttötung junger Menschen alle zwei Tage aufgrund von Mobbing gekommen.

Daher geht es uns alle etwas an!

Was können wir gegen Mobbing tun?

Schaut nicht weg und werdet nicht zu Mittätern. Als Außenstehender ist es wichtig, nicht mitzumachen, obwohl der Gruppenzwang und eventuelle Angst vor einem Ausschluss aus der Gruppe zum Mitmachen animiert. Wer die Kraft und das Selbstbewusstsein hat, kann sich idealerweise für das Mobbingopfer einsetzen und nicht zum Mittäter werden. Die anderen auf deren Fehlverhalten hinweisen und selbst nett zu dem Opfer sein und Hilfe anbieten. Du und wir alle müssen offen über das Thema Mobbing sprechen, denn es ist allgegenwärtig. Aufklärung in Schulen und Rollenspiele sollen das Bewusstsein dafür schärfen.

Wie erkenne ich Mobbing?

Die Leistungen des Opfers verringert sich enorm. Der Erfolg in der Schule oder auf der Arbeit stellt sich ein. Auch in anderen Lebenssituationen ist die Person nicht mehr leistungsfähig und es kann zur eigenen Isolation kommen. Das Opfer schämt sich und es könnte sein, dass es nicht offen darüber sprechen möchte. Daher höre genau hin. Kinder nässen sich vor Angst ein. Gehen nicht mehr zur Schule, oder machen sich auf den Schulweg und verbringen die Zeit bewusst woanders. Es kommt häufig zu Schlafstörungen, Essstörungen, meiden den Augenkontakt und verschließen sich. Schauen sie genau hin, ob sich Gewohnheiten verändert haben?

Wann fängt Mobbing an und was kannst du als Leidtragender machen?

Mobbing hat keinen zeitlichen Rahmen! Sobald du dich seelisch verletzt fühlst, ist es Zeit zu handeln. Das fängt schon damit an, dass etwas zu dir gesagt wird, was dich traurig macht.

  • Handle, etze eine Grenze und mach deinem Gegenüber klar, dass du das nicht möchtest. Signalisiere mit dem Wort „Stopp“ und klarer Körpersprache, selbstbewusst, dass du das nicht möchtest. Wenn du allerdings zu spät reagierst und du schon zu viel zugelassen hast, kann es sein, dass du bereits nicht mehr ernst genommen wirst und du die Opferrolle „angenommen/akzeptiert“ hast.
  • Wehre dich, aber möglichst nicht körperlich. Versuche dich auf keinen Fall verunsichern zu lassen, oder dich „klein“ zu machen. Bleibe ruhig, handele durch deine Emotionen nicht vorschnell. Durch körperliche Gegenwehr, könnte die Situation eskalieren, besonders wenn du mehrere Gegner gegen dich hast, kann es sehr gefährlich für dich werden. Schätze die Situation (wie viele und wie stark deine Gegner sind) ein und suche erstmal die Möglichkeit zu einer Flucht. Wenn nötig, schubse deinen Gegner, um dann flüchten zu können.
  • Schau dir dein Umfeld an. Gibt es Personen, die du durch direkte Ansprache um Hilfe fragen kannst (Lehrer, Eltern, Freunde, Kollegen)? Versuche dich mit anderen Personen zu verbünden.
  • Bringe dich selbst nicht in gefährlichen Situationen. Versuche so häufig wie möglich in einer Gesellschaft zu sein. Das gibt dir mehr Ruhe und Sicherheit. Meistens lauern die Täter dir auf, sobald du alleine bist.

Was noch …

  • Versuche so gut wie möglich dich nicht in die Opferhaltung drängen zulassen. Nimm nicht alles stumm hin und behalte eine aufrechte Körperhaltung. Ertrage nicht alle Schikanen und Demütigungen und befreie dich so schnell wie möglich aus der Situation. Es ist unmöglich, dennoch halte so lange wie möglich stand und lasse dich nicht von Provokationen verletzen.
  • Sprich über die Vorfälle, auch wenn dir schlimme Konsequenzen durch die Täter angedroht werden. Es ist unrecht, was dir angetan wird. Schäme dich nicht dafür und sei stark, indem du offen darüber sprichst. Sprich mit deiner Familie, Freunde, oder zuständigen Personen, z.B. Lehrern, Vorgesetzten etc. Machst du es nicht, wird es tatsächlich immer schlimmer, die Täter werden nicht mehr aufhören dich zu mobben. Das heißt, wenn du offen darüber sprichst kannst du nur gewinnen!

Es ist keine Schwäche von dir, du bist nur in diese Situation gelangt. Erkenne die Situation und lasse dir helfen. Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche und darüber zu sprechen ist kein „petzen“.

Mach dich stark! Bei uns bist du genau richtig. Trainiere deinen Körper, physisch wie auch psychisch. Wer auf langer Sicht seinen Körper und Geist trainiert, kann ich solchen Situationen besser reagieren und im Falle einer Eskalation entkommen.

Ein Thema im Kampfsport

Im Kampfsport und bei unseren Mattengesprächen verdeutlichen wir das Thema Mobbing gerne bildlich mit 3 Tieren, der Wolf (Täter), das Schaf (Opfer), der Hütehund (Außenstehende, die eingreifen). Wir möchten damit aufzeigen, welches Verhalten typisch ist und wie wir idealerweise reagieren sollten. Sei kein „leichtes/einfaches“ Schaf bzw. Opfer und trete selbstbewusst auf.

Wieso wird überhaupt gemobbt?

Durch Gruppenzwang schließen sich immer mehr Täter dem Mobbing an oder akzeptieren es als Außenstehende schweigend.  Es kann zu Machtkämpfen und der Anfechtung der Rangordnung in der Gruppe kommen. Die Täter wollen sich in den Vordergrund drängen und Macht ausüben. Durch die Machtausübung und die Kontrolle der Gruppe, können sie von eigenen Schwächen ablenken. Hierzu wurde mir in meiner Kindheit ein Spruch beigebracht: „Umso kleiner der Hund, umso mehr bellt er“. Den Tätern macht das Mobben in der Gruppe meistens viel Spaß und es werden immer neuere und härtere Methoden zur Schikane ausgedacht und angewandt.

Wieso führt Mobbing im schlimmsten Fall sogar zum Suizid?

Wir alle haben das Bedürfnis nach Verbundenheit und Dazugehörigkeit. Wenn wir das nicht bekommen, macht es uns krank.

Die Opfer geraten in eine Negativspirale und fühlen sich hilflos und ohnmächtig, verlieren den Mut, den Sinn am Leben und sind ständiger Angst ausgesetzt. Es ist für sie fast unmöglich aus der Situation zu brechen. Sie müssen sich meistens täglich dem Ort stellen, an dem sie gemobbt werden (z.B. Schule, Arbeit). Wenn sie dann Zuhause ankommen, finden sie meistens keinen Zufluchtsort. Denn in sozialen Netzwerken geht das Mobbing weiter und das oft heftiger. An anderen Orten könnte das Opfer immer wieder auf negative Nachrichten stoßen. So könnte der Name auf Toiletten mit der Handynummer des Opfers verbreitet werden.

Die Belastung wird zusätzlich durch z.B. Vorgesetze, Eltern und Lehrern erhöht. Dies geschieht durch schlechte Leistungen (schlechte Noten etc.), wodurch zusätzlich Ängste gefördert werden. Das zusätzliche Versagen wird von den Tätern genutzt, dass Opfer weiter angreifen zu können.

Die Lage scheint auswegslos

Die Opfer können sich keinem öffnen, aus Angst, dass das Mobbing sich verschlimmert. Die Lage scheint hoffnungs- und ausweglos. Oft gibt es Hilferufe, die nicht erhört werden. Die Opfer sind dem enormen Druck durchgehend ausgesetzt und wählen verzweifelt den Tod.

Sollte es nicht zur Selbsttötung kommen, werden die Opfer meistens so schwer missbraucht, dass sie ein Leben lang darunter leiden. Neben den physischen Verletzungen, die in den meisten Fällen heilen, sind es die psychischen Verletzungen, die das Opfer ein Leben lang stark beeinflussen können. Das Selbstwertgefühl wird schwerwiegend beeinträchtigt und kann ein Leben lang Depressionen begünstigen.

Personen, die in ihrer Kindheit und Jugendzeit gemobbt wurden, weisen ein dreimal höheres Suizidrisiko auf als Personen ohne solche Erfahrungen. Nach unseren Recherchen konnten wir auch erkennen, dass Jungs eher „alles in sich hineinfressen“ und die eigene Tötung dann eher als Mädchen durchziehen. Mädchen unternehmen eher einen Hilferuf, schneiden und verletzen sich selbst oder führen die Tötung oft nicht so konsequent wie Jungs durch, wodurch die Chance besteht, dass sie gerettet werden können.

Ein Problem unserer Gesellschaft

In unserer Gesellschaft lehren wir schon früh Vorurteile. Vorurteile und „Schubladendenken“ begünstigen das Mobbing. Jeder der jetzt gegen die „Normalität“ eigene Ansichten vertritt oder sich besonders verhält, könnte zu einem Opfer werden. Die Abweichungen in der Persönlichkeit des Opfers geben Tätern die Möglichkeit genau dort anzugreifen. Es wird leider zu wenig Zeit ermöglicht, um mit den heranwachsenden Menschen besonders in Schulen über soziale Themen zusprechen, die die Persönlichkeit und den Umgang miteinander fördern könnten. Die Institutionen versagen und die Lehrkräfte sind oftmals überfordert und können in Konflikten nicht mehr richtig hinterfragen.. Diese haben aber auch nur eingeschränkte Möglichkeiten.

Auch die Eltern müssen die richtigen Werte vermitteln und ihren Kindern aufmerksam zuhören. Das Internet konfrontiert die Kinder immer wieder mit Botschaften und Verhaltensweisen, die sie prägen. Darüber fehlt den Eltern die Kontrolle und daher sollen die Eltern versuchen, sich wieder mehr mit den Kindern zu beschäftigen.

Aussagen wie „Männer weinen nicht“, „nimm es nicht so ernst“, „das ist doch nur Kindergarten und gar nicht so schlimm“, „stell dich nicht so an“, „sei kein Mädchen“, „Männer zeigen keine Gefühle“, „Sei mal ein richtiger Mann“ fördern, dass die Opfer nicht über ihre Situation sprechen.

Auch der Tipp „schlag zurück“ mag für den Moment in der Situation zur Flucht verhelfen. Doch was bringen wir dem Kind damit bei? Das wir uns nur durch physische Gewalt wehren können? Fördern wir mit solchen Ratschlägen nicht eher Täter und Mittäter und verringern die Hemmschwelle für Übergriffe? Wird man nur durch das Ausüben von körperlicher Gewalt akzeptiert? Was denkst du über dieses Thema, fördern wir so nicht weiter eine „Ellenbogengesellschaft“? Du bist in unserem Training genau richtig. Wir vermitteln den richtigen Umgang mit Gewalt und wie man sich auch vor einer Eskalation richtig schützen und diese verhindern kann.

Staatlicher Schutz

Unser Grundgesetz schützt unsere Menschenwürde und jeder Mensch hat das Recht respektvoll behandelt zu werden. Jede Person in Deutschland hat das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

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